Süddeutsche Zeitung und die neue IW-Studie

Der Artikel über die »Studie« des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu den Wahlprogrammen der Parteien von Thorsten Denkler in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (Rechenspiele mit Herrn Hüther) ist deutlich kritischer als jener, den wir in der Ausgabe morgen (11.07.2013) in der Printfassung der Süddeutschen Zeitung von Gudio Bohsem zu lesen bekommen werden.

Zwar verweist Bohsem auch darauf, daß die Methoden des IW umstritten seien. Gleichwohl ist sein Hinweis auf die Abhängigkeiten des IW und dessen einseitiges Weltbild deutlich zurückhaltender als im Artikel der online-Ausgabe von Denkler vom 10.07.2013.

In seinem Kommentar konstatiert Bohsem zwar, daß im IW nicht gerade Linke säßen. Die Forscher des IW bedächten nicht, was mit dem Geld, das da eingenommen werden solle, gemacht werden soll. Gleichwohl endet der Kommentar mit der Anmerkung, daß das Ausmaß der Umverteilung, die die Parteien anstrebten, übertrieben sei.

Auch in dem Artikel »Teure Versprechen« führt Bohsem aus, daß es Kritik an den Methoden des IW gebe, weil die arbeitgeberabhängigen Forscher die Effekte der Investitionen nicht berücksichtigten, die mit den Mehreinnahmen des Staates getätigt würden, als auch die Effekte auf den Staatshaushalt. Dies hinderte den Autor jedoch nicht, eine eindrucksvolle Graphik in den Artikel zu setzen, die die erheblichen Mehrbelastungen in den Programmen von SPD, Grünen und Linken gegenüber CDU/CSU und FDP darstellt.

Insgesamt wird durchaus auf den arbeitgeberabhängigen Hintergrund des IW hingewiesen, aber nur vorsichtig. Gleichzeitig werden die wesentlichen Aussagen und politischen Botschaften des Instituts der deutschen Wirtschaft ausführlich referiert. Werden Kritik und Referat in ein Verhältnis zueinander gestellt, dürften eher die Aussagen des IW als die Kritik an den Methoden bei den Leser/innen hängenbleiben.

Ein Jammer, daß Denklers Hinweis, welch schlichtes Weltbild dem IW zugrunde liege, nicht auch wenigstens neben Bohsems Artikel in der Printausgabe erscheint. Besser noch wäre der eindeutige Hinweis darauf, daß das IW eine interessengebundene Ideenagentur sei, die wissenschaftliche Erkenntnisse nach ihrer Nützlichkeit für die eigene Tendenzkoalition auswähle (vgl. Gellner Winand: Ideenagenturen für Politik und Öffentlichkeit, S. 202ff).

Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eine der Hauptquellen der durch die Arbeitgeberverbände finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) für wissenschaftliche Studien. Das IW wird wiederum durch die Arbeitgeberverbände auf Bundes- und Landesebene finanziert. So bleibt praktisch alles in der Familie. Bereits vor wenigen Wochen hatte die INSM eine Studie beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Auftrag gegeben (Quelle) und diese Studie als eine Orientierungshilfe für die Wähler/innen bezeichnet (Quelle).

Es zeichnet sich somit ab, daß die Arbeitgeberverbände entschlossen sind, die öffentliche Meinung zur Bundestagswahl in ihrem Sinne zu beeinflussen. Wenn sich INSM und IW getrennt zu diesem Thema zu Wort melden, entsteht der Eindruck, als würden verschiedene Experten diese Meinung vertreten. Tatsächlich steht hinter all diesen äußeren stets der gleiche Auftraggeber: Die Arbeitgeberverbände.

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Quellen: Denkler, Thorsten: Rechenspiele mit Herrn Hüther. SZ online.

Bohsem, Guido: »Teure Versprechen« in: Süddeutsche Zeitung vom 11.07.2013. S. 5

Bohsem, Guido: »Wahlkampf mit dem Wahlkampf« in: Süddeutsche Zeitung vom 11.07.2013. S. 4

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