Welche Rolle spielt »Die Zeit« beim Essaywettbewerb? Spurensuche.

Während die Zeit noch nach Mitarbeitern sucht, die über den Essaywettbewerb Bescheid wissen, der gemeinsam mit der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ausgerichtet wird, soll hier nach den Details dieses Wettbewerbs geschaut werden, die jetzt schon ersichtlich sind.

Die INSM hat die Meldung über diesen Wettbewerb wieder auf die Startseite ihrer Homepge gesetzt. Dort war die Meldung in der Woche vor Weihnachten schon einmal kurz zu sehen und zwei oder drei Tage nach dem Hinweis auf den Nachdenkseiten wieder verschwunden. Die Mitteilung ist die alte geblieben: Der Essaywettbewerb wird mit dem Zeitverlag veranstaltet. Die Anmeldung ist nur für eingeschriebene Studenten möglich, die sich über die Homepage der ZEIT anmelden müssen.

Die zentrale Frage, die sich stellt, lautet, welchen eigenständigen Beitrag die ZEIT, beziehungsweise der Zeitverlag zu diesem Wettbewerb leistet. Noch immer ist der INSM-Kurator Tietmeyer der Einzige, der von der angeblich namenhaften Jury genannt wird. Weil die Anmeldung zum Wettbewerb über den Server der ZEIT läuft, kann als gesichert angenommen werden, daß es eine Kooperationsvereinbarung mit dem Verlag gibt und dies nicht wieder eine Ente ist wie bei der Aktion »Deutschland 24/30«, als den Journalisten, die sich für die Berichterstattung im Rahmen dieser Kampagne bei der INSM bewarben, suggeriert wurde, sie könnten unter anderem Angela Merkel interviewen, obwohl solche Termine nicht vereinbart waren.

Zudem entsteht der Eindruck, daß durch die Beteiligung der Zeit die Essays auch journalistisch geprüft wurden. Dies kann allerdings nur vermutet werden, weil eben die Besetzung der Jury bis auf Tietmeyer nicht bekanntgegeben ist. Insofern – und wirtschaftskampangen.de wird da auch dranbleiben – ist die Frage wirklich interessant, welchen Beitrag die ZEIT leistet, außer mit ihrem Namen die Ergebnisse des Wettbewerbs journalistisch zu veredeln.

Schon im Vorfeld kann als gesichert gelten, daß die gewinnenden Essays auf der politischen Linie der INSM liegen werden. Das läßt sich allein schon aus dem Punkt 3 der Teilnahmebedingungen ableiten, nach dem die INSM die Veröffentlichung von Beiträgen ohne Angabe von Gründen ablehnen kann. Die Teilnehmer räumen der INSM ein uneingeschränktes Nutzungsrecht ein und haben im Falle der Veröffentichung keine Vergütungsansprüche (Quelle, Punkte 2-4 (30.12.2011)).

Es gehört zu en üblichen Strategien der INSM, solche Wettbewerbe zusammen mit Printmedien auszurichten. Durch die Beteiligung von Zeitungen oder Zeitschriften soll der Eindruck der Überparteilichkeit entstehen, und in diesem Falle wohl auch der der journalistischen Qualität bei den ausgewählten Essays. Dabei wäre es wünschenswert zu wissen, aus wem die Jury über den INSM-Botschafter Tietmeyer hinaus besteht und ob der Zeitverlag wirklich einen eigenständigen Beitrag zu diesem Wettbewerb leistet. In welchem Ausmaß und auf welche Art kann der Zeitverlag mitentscheiden, welcher Essay gewinnt? Diese Frage ist zentral, wenn die politische und journalistische Einordnung der gewinnenden Beiträge durch das Publikum gelingen soll.

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