Bildungsmonitor: Fünf Bundesländer sehen sich bestätigt

Auf den Homepages der Kultusministerien von Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz waren Erklärungen zum Bildungsmonitor zu finden, den die arbeitgeberabhängige INSM vorige Woche veröffentlichte. Auf den Seiten der anderen Bundesländer ließ sich zumindest am letzten Samstag keine Stellungnahme zum Bildungsmonitor recherchieren.

NRW-Bildungsministerin Löhrmann (Grüne) sieht die Politik der rot-grünen Landesregierung durch den Bildungsmonitor bestätigt (Quelle). Das kann man auch so deuten, daß sie die neoliberalen Forderungen der INSM teilt. Offensichtlich hat man seitens des NRW-Kultusministeriums ohnehin kaum Berührungsängste mit neoliberalen Ideenagenturen: Die NachDenkSeiten berichteten kürzlich, daß das NRW-Kultusministerium beim Projekt Unterrichtsmethoden mit der Bertelsmann Stiftung zusammenarbeiten möchte.

Überdies stammen die Daten der Studie aus dem Jahr 2009, also aus jener Zeit, als die Rüttgers-Regierung noch im Amt war. Kultusministerin Löhrmanns Einlassung lassen sich also tatsächlich wohl nur so deuten, daß die Landesregierung die bildungspolitischen Vorgaben der INSM teilt.

Auch die anderen vier Landesregierungen sehen sich in ihrer Politik durch den Bildungsmonitor bestätigt. Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) äußert sich als einzige in Ansätzen kritisch, wenn sie betont, daß die Auswahl der Daten und die Verrechnungsmethoden Fragen aufwerfen, gleichzeitig aber akzeptiert auch sie die Studie als solche wenn sie betont, daß Rheinland-Pfalz jetzt unter den »Top 5« seien. (Quelle)

Bayern verweist darauf, daß keine neuen Daten für den Monitor erhoben worden seien, sieht sich aber auch sonst alles in allem in der Politik bestätigt (Quelle), ebenso Sachsen-Anhalt, wo die die Punkte der Studie hervorgehoben werden, in denen sich nach Meinung der INSM Sachsen-Anhalt verbessert habe (Quelle). In Sachsen zeigt man sich stolz auf den ersten Platz (Quelle).

Auch in den Medien wird weitgehend referiert, was die Wissenschaftler des interessengebundenen Instituts der deutschen Wirtschaft herausgefunden haben wollen. Süddeutsche Zeitung  (Braun, Stefan: »“Kaderschmieden“ Sachsen und Thüringen« in: Süddeutsche Zeitung, 17. August 2011 Nr. 188 S. 5) und FAZ verweisen in ihren Artikeln zwar darauf, daß die INSM wirtschaftsnahe, beziehungsweise arbeitgebernahe sei, daß die INSM jedoch nichts weiter als eine durch Gesamtmetall finanzierte Einrichtung ist, wird nicht erwähnt. Die INSM ist somit nicht nur arbeitgebernahe, sondern sie hängt von der Finanzierung der Arbeitgeber ab.

Insbesondere bei der Betonung der Bedeutung der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und deren Förderung zeigt sich, daß die INSM vor allem die Interessen der Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie vertritt, denn diese sind besonders an den Studenten dieser Studiengänge interessiert.

Wieder einmal zeigt sich, wie stark die Meinungsmache der INSM Politik und Medien durchdrungen haben. In keinem der Verlautbarungen wird die Studie als solche in Zweifel gezogen oder der interessengebundene Hintergrund der Gestaltung der Studie betont. Die Kultusministerien der Bundesländer, die sich zu der Studie geäußert haben, akzeptieren den Inhalt der Studie wie auch das Bestreben, um die Umsetzung der im Arbeitgeberinteresse liegenden Ziele in einen Wettbewerb zu treten, dessen Schiedsrichter die INSM ist.

Auch in den Medien wird die Studie wie eine Institution behandelt. ohne die Interessen zu hinterfragen, die hinter dieser Studie und hinter der Auswahl der Kriterien für diese Studien liegen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter INSM veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s